Hermann Stainer

Unternehmenssoftware-Entwickler & -Berater, MBA, Geschäftsführer von WebMini Inc.

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Patente mit Kultstatus: der Football

Wird es ein Lauf- oder ein Passspiel? Diese Frage stellte sich im American Football lange Zeit nicht. Denn die Bälle der Anfangszeit konnten praktisch nicht gezielt geworfen werden.

Über diese Artikelreihe

Hinter jedem Patent steckt eine Geschichte – und in dieser Artikelreihe möchte ich einige besonders bekannte vorstellen. Erfindungen, die für Aufsehen gesorgt und einen regelrechten Kultstatus erlangt haben. Auch auf die Erfinder und Anmelder dieser Patente werde ich eingehen.

Während moderner American Football aus verschiedensten Spielzügen besteht, so sind es vor allem die langen, spektakulären Vorwärtspässe, die mit dem Sport in Verbindung gebracht werden. Es ist ein heute meist vergessener Fakt, dass diese Art des Passspiels über weite Teile der Anfangszeit des Sports nicht umsetzbar war. Grund hierfür war das wohl wichtigste Element des Spiels: der Football. Denn die Pioniere des Spiels hatten mit zahlreichen Problemen ihres Spielgeräts zu kämpfen.

Die Geschichte der Herstellung von aufblasbaren Bällen beginnt um 1849 mit dem englischen Lederarbeiter Richard Lindon. Dessen Ladengeschäft befand sich zufällig in der Nähe der Rugby-Schule in Rugby, Warwickshire, England, bekannt als Geburtsort des Rugby-Sports. Lindons Geschäft verlagerte sich bald von der Herstellung von Schuhen hin zur Versorgung der Schüler der Schule mit den dringend benötigten Bällen. Während die Außenseite aus genähtem Leder bestand, war das Innere eine Schweineblase und wurde durch ein Röhrchen mit dem Mund aufgeblasen, ein sehr gefährlicher Vorgang, da das Schwein u.U. erkrankt sein und man sich auf diese Weise anstecken konnte. Lindon hatte daher die Idee, stattdessen Naturkautschuk zu verwenden (trotz dieser und anderer Erfindungen reichte er jedoch nie eine Patentanmeldung ein).

Aufgrund der Herkunft der Blase gab es ursprünglich keinen anderen Weg, als Rugby mit einem runden Ball zu spielen. Er war schwer zu tragen, und Werfen war nicht nur kaum umsetzbar, sondern auch gegen die Regeln. Der Wechsel zu Naturkautschuk eröffnete jedoch die Möglichkeit, andere Formen zu verwenden, und 1874 wurde ein neuer Ball verwendet, der eine Form ähnlich einer Wassermelone hatte.

American Football wurde anfangs mit solchen Rugby-Bällen gespielt, aber im Jahr 1906 wurde der Vorwärtspass erlaubt, und bald darauf ermöglichten neue Regeln den Einsatz eines Balls, der im Grunde eine größere Version des heutigen modernen Footballs war. Aber das Laufspiel war immer noch die einzig umsetzbare Strategie, da dem Ball ständig die Luft entwich, dieser dadurch seine Form verlor und schwer zu werfen war. Während dies bereits eine große Herausforderung für die Hersteller darstellte, war das Aufblasen des Balles zudem auch noch ein komplizierter und zeitaufwendiger Prozess. Football-Spiele mussten deswegen unterbrochen werden, und die Spieler bliesen abwechselnd wieder Luft in den Ball. Mehrere Patente wurden auf verschiedene Erfindungen erteilt, die dieses Problem zumindest verkleinern konnten, wie zum Beispiel ein spritzenähnliches Blasgerät. Darüber hinaus musste ein Ball für jeden Aufblasvorgang aufgeschnürt werden (und natürlich wieder zugeschnürt), und hatte zu allem Überfluss auch noch hervorstehende Metallventile, die ihn nicht nur ungleichmäßig und damit schwerer zu werfen machten, sondern auch ein Verletzungsrisiko für die Spieler bargen.

Entwicklung des Footballs: links eine Illustration aus einem Patent von 1925, rechts aus einem Patent von 1939.
Entwicklung des Footballs: links eine Illustration aus einem Patent von 1925, rechts aus einem Patent von 1939.

Patente zeigen die Entwicklung des Footballs: im Laufe der Jahre wurde seine Form immer weiter u.a. dahingehend verbessert, um Passspiele zu ermöglichen. In seinem Patent US 1 559 117 aus dem Jahr 1925 schreibt John E. Maynard: „Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Football zu schaffen, der besonders zum Spielen des aktuell üblichen offenen Spiels geeignet ist, bei dem der Ball in dem als ‚Vorwärtspass‘ bekannten Spielzug häufig von Hand geworfen wird. Bei der Ausführung dieses Spielzuges ist es notwendig, dass der Ball am Ende ergriffen und schnell und genau geworfen wird, und bei nassem Wetter, wenn der Ball rutschig ist, ist es schwierig, einen ausreichend festen Griff zu haben, um dies erfolgreich zu bewerkstelligen.“

14 Jahre später, im Jahr 1939, zeigt das Patent US 2 182 053 von Milton B. Reach die Form noch weiter fortgeschritten hin zu dem Football, wie wir ihn heute kennen, neben vielen anderen Verbesserungen. Nicht viel später, im Jahr 1941, wurde Samuel „Slingin’ Sammy“ Baugh bei den Washington Redskins der erste Quarterback der NFL, der für sein überragendes Passspiel bekannt wurde. Heutzutage verbessern die Hersteller den Football weiter in Bezug auf die verwendeten Materialien, die Griffigkeit und Haltbarkeit.

Nächste Woche treffen beim  52. Super Bowl die Philadelphia Eagles auf die New England Patriots. Während der Gewinner erst noch ermittelt werden muss, ist eines sicher: die Zuschauer dürfen sich auf spektakuläre Passspiele freuen, die ohne die großartigen Erfindungen in der Entwicklung des Footballs nicht möglich wären. Ich wünsche allen Fans ein großartiges Spiel und gute Unterhaltung!

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Über den Autor

Mein Name ist Hermann Stainer – willkommen auf meiner Webseite! Ich bin seit 17 Jahren als Entwickler und Berater in der Softwarebranche tätig. Auf dieser Seite schreibe ich über Unternehmens­software im All­gemeinen, wie auch über persön­liche Erfahr­ungen mit meinem Unter­nehmen WebMini Inc.

Mein Spezial­gebiet ist Software zur Über­wachung von geistigem Eigen­tum wie z.B. Patenten. Zu meinem Kunden­kreis gehören u.a. Patent­anwälte und Unter­nehmen, die selbst Patent­inhaber sind.

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